Achtsamkeit,  Dies und Das,  kreative Erwachsene,  kreative Kinder

Spuren im Sand

Nina hat neulich auf Instagram darüber geschrieben, wie wichtig es gerade für kleine Kinder ist, Spuren zu hinterlassen.
Ein spannendes Thema, das eng mit der eigenen Kreativität verbunden ist.
Ich möchte mich diesem Thema aus einem ganz anderen Blickwinkel nähern – wie ist es eigentlich mit uns Erwachsenen?
Ich glaube, dass es auch für uns wichtig ist, das Gefühl zu haben, etwas Bleibendes zu schaffen. Spuren in der Welt, in den Herzen unserer Mitmenschen zu hinterlassen ist eine unglaublich starke Triebfeder gerade auch für unsere Kreativität. Der Wunsch etwas zu hinterlassen ist für viele Ansporn und Anlass sich mit sich selbst und der eigenen Rolle in dieser Welt auseinanderzusetzen.
Für mich persönlich zum Beispiel ist ein ein tief verwurzeltes Gefühl, der Wunsch anderen Menschen ein Lächeln zu schenken.
Es gibt dieses Gefühl in mir – schon solange ich denken kann – den Wunsch “Künstlerin” zu sein. Es ist das, was mich aus tiefster Seele ausmacht.
Jahrzehntelang habe ich dieses Gefühl verdrängt. In dem Glauben, von dem Beruf “Künstlerin” nicht leben zu können, habe ich versucht den sicheren Weg zu gehen.
Ich habe meine Kreativität vergessen, aber es fehlte ein Teil von mir.
Erst letztes Jahr habe ich wieder angefangen zu malen und es war so befreiend. Es war ein langer Weg, bis ich mir selbst und vor allem auch vor anderen eingestehen konnte “ich bin Künstlerin”. Das ist es, was mich ausmacht, was jede Faser meines Körpers durchdringt und was mich lebendig werden lässt.

Doch dann gibt es auch noch andere Spuren – Spuren, die andere Menschen in unseren Herzen hinterlassen haben. Erinnerungen an geliebte Menschen zum Beispiel.
Als unsere Oma letztes Jahr starb, war es für meine Tochter unglaublich wichtig, vergänglich Spuren zu hinterlassen.
Wir haben Briefe geschrieben, mit all den Dingen, die wir ihr gerne noch gesagt hätten. Dann haben wir die Briefe vorsichtig verbrannt, die Asche in Luftballons gefüllt und fliegen gelassen.
Am Strand hat sie Herz über Herz in den Sand gemalt und zugesehen, wie die Wellen alles wieder wegspülten – all das hat ihr geholfen, Abschied zu nehmen und den Schmerz des Vergänglichen auszuleben.

Den Anfang nimmt das Ganze schon im Kleinkindalter. Irgendwann (etwa mit einem Jahr) realisieren unsere Kinder, dass sie Spuren hinterlassen können.
Vielleicht fangen sie plötzlich an mit den Finger einen Soßenkleks zu veschmieren, oder den Joghurt auf dem Teller – dabei entdecken sie, dass sie Spuren hinterlassen können und natürlich auch verschwinden lassen können.
Was für uns selbstverständlich ist, ist für die Kleinen eine große Entdeckung. Sie entdecken dass sie etwas Erschaffen können und damit beginnt im eigentlichen Sinne die kreative Entwicklung. Der Spaß daran, etwas zu kreieren beginnt genau mit diesem “Geschmiere” und “Gematsche” und dieser Schritt ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Als Eltern sollten wir es also ein wenig aushalten, dass unsere Kinder matschen und schmieren und ihnen die Möglichkeit geben, diese Erfahrungen zu machen. Wischen, schmieren, durchlaufen – alles darf ausprobiert werden. Dabei geht es noch lange nicht darum, etwas “Schönes” zu gestalten, oder etwas gezielt zu erschaffen, sondern erstmal um den Prozess an sich. Fragen danach, was das Entstandene darstellen soll, sind also gar nicht nötig und auch nicht sinnvoll. Es geht ganz einfach ums Ausprobieren, um Selbstwirksamkeit grundlegende naturwissenschaftliche Erfahrungen (die Erkenntnis, dass ich Spuren hinterlasse, die bestehen bleiben ist z.B. Der erste Schritt zur Objektpermanenz – sprich das Wissen, das Dinge und Personen weiter existieren, auch wenn ich sie gerade nicht sehe)

In dem Sinne – hinterlasst Spuren!
Gerne auch als Kommentar hier, auf Facebook oder Instagram.
[Nami]

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